GANZ ODER GAR NICHT

„Es liegt an Dir“, sagst Du. Immer. Ich bin die, die Probleme verursacht.
Ich warte auf Dich. Wirklich? Wartest du wirklich auf mich? Oder andersrum?
„Küss mich!“, sagst Du. Nur damit du im nächsten Moment mir mit deinem hasserfüllten Gesicht begegnest.
Ich liebe dich, schreibst Du. Paar Tage später überrascht du mich mit deiner Kälte.
Ein herrlich schmerzlicher Genuss.
Unser Rhythmus irgendwie. Du hast immer nur du den Ton angegeben. Und ich habe dabei nicht gemerkt, wie du die Figuren aufbaust. Und spielst. Züge machst. Und küsst. Wieder Züge machst.
Und ich hatte Schluckauf – und ich hatte so oft Schluckauf.
Weil Du mich nie ganz, aber auch nie gar nicht wolltest.

„Ich kann heute nicht“, sagst Du.
Um im nächsten Moment noch tausend andere Gründe oder Ausreden zu finden.
Also steh ich hier.
Mit ein paar Kilometern Abstand. Aber nicht zu vielen. Ich weiß. Immer noch zu viel. Aber nicht wenig, um dich zu vergessen. uns. Immer noch in Deinem Adressbuch. Erreichbar. Die Nummer ist jederzeit erreichbar. Auch wenn Du gar nicht willst, dass ich ran gehe.
Es scheint, als würden wir beide das Klingeln genießen.
Luft anhalten.
Auflegen. Schnell.
Schlechte Verbindung.
Ich glaube, Du hast keinen Empfang.
Ich kann Dich nicht verstehen.
Weil Du mich nie ganz, aber auch nie gar nicht wolltest.

„Umarme mich“, hast Du gehaucht, nur um Dich daraus zu befreien. Meine Texte, aber nicht meine Nachrichten gelesen.
Du hast es dir genommen wenn du es gebraucht hast. Und abgelehnt, 
wenn du nur an dich selbst gedacht hast. 
Weil Du mich nie ganz, aber auch nie gar nicht wolltest.
Und ich Dich viel zu sehr.
Und dann doch gar nicht.

Ich habe Postkarten geschrieben, damit Du nicht antworten kannst. Ich bin mit meinen Träumen schnell weiter gezogen, damit Du meiner Spur nicht folgen kannst.
Hab Dich nur mit einem Arm umarmt.
Habe mich versteckt, aber so, dass Du mich noch immer sehen kannst. Ich habe mich dosiert. Probiert zu dosieren.
Aber: Ich will wieder ganz. Ganz sein. Ganz ich sein.
Ganz oder gar nicht.

Denn ich wollte Dich ganz.
Und jetzt: gar nicht

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