ICH UNTERSCHÄTZE MICH

Ich sehe mich von oben, ich sehe mir zu, um durch den Tag zu kommen. Ich steigere mich in Aufgaben hinein, die mir wie ein gewaltiger Berg erscheinen. Ich sehe Wege wie endlose Felder. Ich sehe Hindernisse die für mich eigentlich gar keine Hindernisse sein sollten. Ich zeige Fotos, die sich für mich selber aber wie „Zurecht machen“ anfühlen. Ich sehe mich nackt aber alles was ich weiß ist, dass ich das ja eh nicht bin. Ich habe aufgehört an mich zu glauben. Ohne es zu merken. Ich hab mich verloren. In dieser Beziehung zu mir selbst.

Ich habe andere mehr glücklich gemacht als mich selbst. Seltsamerweise hat es sich immer so angefühlt als ob ich wenn ich andere glücklich mache, mich auch damit glücklich mache. Aber die Wahrheit ist, dass ich mein Glück durch die der anderen Menschen hatte. Es aber nie direkt um mich dabei ging. Es ging immer darum Glück durch andere zu bekommen. Nicht Glück durch sich selbst zu erzeugen.

Es gibt nichts, das wir so sehr unterschätzen können, wie die Pflicht, uns selbst glücklich zu machen.

Seit gut einem Jahr fing es an, meine ich zu behaupten. Ich hab mich als eine zweite Person gesehen. Nicht wie eine Person mit verschiedenen Facetten. Ich habe mich in den unterschiedlichen Lebenssituationen aufgeteilt. Eine Frau für den Menschen zu sein, der da ist. Eine Rolle anzunehmen, die sonst nie greifbar erschien. Dabei habe ich mich gehen lassen. Zu sehr mich versteift, in die Rolle zu passen. Und nur einen kleinen Teil zu meinem Charakter angepasst. Ich habe den Sprung nicht geschafft, ein Individuum zu bleiben. Ich hab mich anstecken lassen. Von allen Einflüssen um mich herum. Ich hab mich selbst dadurch in diese Schublade gesteckt bzw. mich stecken lassen. Ich hab mich ganz plötzlich über Dinge definiert, über die ich mich nie definiert habe. Stückweise habe ich immer mehr mich selbst verloren. Ich habe das Selbstbewusstsein dass ich meinem Körper gegenüber habe, verstärkt. Ich habe meine Fassade blühen lassen. Nur mein Inneres habe ich dabei vergessen. Ich habe angefangen meine Richtung in Frage zu stellen. Auf einmal war alles nichts wert. Alles falsch. Nicht gut genug. Ich nicht gut genug. Ich habe damit einen Steinschlag verursacht. Mir selbst zu viel in den Weg gelegt. Mich klein gemacht. Auf einmal war Erfolg nur noch die Richtung, die mir gesagt wurde. Nicht die, die ich für richtig hielt.

Ich steigere mich in Aufgaben hinein, die mir wie ein gewaltiger Berg erscheinen. Ich sehe Wege wie endlose Felder. Ich sehe Hindernisse die für mich eigentlich gar keine Hindernisse sein sollten.

Ich habe es lange Zeit nicht gemerkt. Dass ich mich in meinen eigenen Fäden verstricke. Dass ich liegen bleibe. Dass meine Fassade vorgibt alles wäre gut. Mein Inneres aber total angekratzt ist. Ich habe aufgehört an mich zu glauben. Ohne es zu merken. Bis es ein Ereignis gab, das mir zeigte, dass ich mich komplett täuschte. Dass ich mich selber niedermachte. Weil mir der Faktor Intelligenz so wichtig war, dass plötzlich alles was ich tat nicht intelligent genug war. Nicht klug genug. Nicht überlegt genug. Ich war einfach nicht gut genug. Für niemand. Für nichts. Ich fürchtete mich davor, dass man mich aufgrund von bestimmten Verhaltensweisen in eine Schublade schob. Dabei war es mir immer egal was andere von mir hielten. Plötzlich war der eigene nicht vorhandene Glaube Grund dafür, dass ich mich vor dem Denken anderer irrte. Dass ich mich frage ob jemand denkt, dass meine Kreativität bedeutet, ich könnte nicht intelligent sein. Dass mein Modestil bedeutet, ich könnte nicht intelligent sein. Dass mein Aussehen über mich urteilt.

Ich zeige Fotos, die sich für mich selber aber wie „Zurecht machen“ anfühlen. Ich sehe mich nackt aber alles was ich weiß ist, dass ich das ja eh nicht bin. Ich habe aufgehört an mich zu glauben. Ohne es zu merken. Ich hab mich verloren. In dieser Beziehung zu mir selbst.

Manchmal glaubt man etwas ist nicht mehr möglich. Man glaubt dass man versagt. Dass es keinen Ausweg gibt. Man meint nicht gut genug zu sein. Man misst sich plötzlich an dem Erfolg eines anderen. Dabei darf jeder Weg anders sein.

Um Erfolg zu haben, musst du an dich selbst glauben. Niemand anderes kann so sehr an dich glauben, wie du an dich selbst.

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7 comments

Katja 22. November 2017 at 10:06

Wunderschöne Bilder! Und auch der Text nimmt einen mal wieder mit 🙂

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Nadine Dia 22. November 2017 at 23:56

Wow hammer Text. Du kannst so gut schreiben. Und dazu die Bilder sind ein Traum 🙂
Liebst, Nadine

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Zuckerbrotliebe 23. November 2017 at 04:24

Die Bilder sind echt wunderschön. LG

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Oliwia 23. November 2017 at 13:19

Wow, mitreißender Text und tolle Fotos 🙂

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Andrea 23. November 2017 at 18:03

Ich kann das sehr gut nachempfinden! Schöner Beitrag und tolle Bilder.

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Sarah 3. Dezember 2017 at 13:09

Oh wie ich deine Texte liebe!
Du hast so einen tollen Schreibstil!

Liebst, Sarah von Belle Mélange

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Michelle Früh 4. Dezember 2017 at 15:00

Wieder so ein toller Text. Mag die Texte auch sehr gerne
Liebe Grüße Michelle von beautifulfairy

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