#TWENTYSOMETHING: MEIN MYSTERIUM

Ich sitze auf dem Bett. Meine Arme sind verschränkt. Als ich merke wie verkrampft ich wirke bzw. auch bin, lasse ich meine Arme locker und stütze mich auf dem Bett. Ich merke dass ich gerade die Realität verloren habe. Das klingt wirklich als wäre ich unkontrolliert und wüsste nicht was ich tue. Aber in Wahrheit erlebe ich gerade etwas, was ich nicht exakt deuten kann. Was sich wie Realität und gleichzeitig wie Fiktion anfühlt. Denn das was ich in meinen Büchern schreibe, erlebe ich gerade selber. Irgendwie fühlt es sich seltsam an. Es verwirrt mich. Da schreibt man Jahre lang von etwas was man nie erlebt hat – und wenn man es erlebt, kann man es nicht fassen! So sehr trifft es einen. So sehr fühlt man den Moment.

Kennt ihr das wenn man die Augen schließt weil man müde ist. Sie dann aber wieder öffnet und durch das grelle Licht es sich so anfühlt, als ob man schwanken würde? In dem Moment würde ich wenn ich stehen würde, sicher schwanken. Als er wieder ins Zimmer kommt, bringt er zwei Gläser mit. Ich muss mich nicht anstrengen, denke ich. Irgendwie läuft alles ohne dass ich versuche verkrampft die Sache anzugehen. Ich gehe nicht nonstop jeden Satz in Gedanken durch. Spreche es aus. Bin vorsichtig offen. Aber offener als ich es sonst jemals war. Er schenkt mir etwas zu trinken an und reicht es mir. Als unsere Blicke sich treffen sterbe ich von Innen. Es fühlt sich so sonderbar an. So ungewohnt alles. Ich kenne das nicht! Was tue ich da eigentlich? Was würde „Nora“ tun? In Gedanken schreibe ich die angefangene Geschichte mit ihr weiter.

Wir kommen ins Gespräch und er raucht vor mir genüsslich einen. Ich höre zu. Sage nicht viel. Denn diese Eindrücke überwältigen mich. Hauen mich um. Seine prüfenden Blicke. Diese Atmosphäre die entsteht. Die tiefgründigen Gespräche. Generell wenn wir uns in die Augen gucken. Uns gegenüber sind. Dieses wirklich nonverbale Wissen. Ich fühle mich zum ersten Mal richtig verstanden. Ich fühle zum ersten Mal dass mich jemand anderes für besonders hält. Alles scheint wie in einem Film. Wie in einem meiner Bücher. Nur der Unterschied ist, dass es diesmal real ist. Das ist keine „Nora“ oder „Leila“. Nicht sie erleben es sondern ich. Und vielleicht sollte ich dankbar für die unzähligen Geschichten sein die ich geschrieben haben. Denn so mache ich aus meiner erlebten Sicht etwas noch viel Größeres. Ein kleines großes Mysterium.

 

You may also like

3 comments

Nádia Araújo Bitencourt 24. November 2017 at 07:18

Schöner Text!
“ Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle.“

Reply
pinkstrawberrycigarettes 24. November 2017 at 11:29

Super geschrieben, packend und mitreißend!

Reply
Michelle Früh 24. November 2017 at 14:25

Das hast du wirklich super geschrieben. Man bekommt Lust mehr zu erfahren
Liebe Grüße Michelle von beautifulfairy

Reply

Leave a Comment