ICH BIN NICHT AUTHENTISCH


Ich bin nicht authentisch. Auch wenn ich Halbitalienerin bin und meine Gefühle und Emotionen lautstark, temperamentvoll und impulsiv generell meinen Mitmenschen kund tue, fehlt es mir trotzdem in manchen Punkten an Authentizität. Genau, dann, wenn ich bewusst ein falsches Bild von mir abgebe. Ein besseres Bild als ich es mir selber abgeben würde. Ich mache das nicht weil ich Spaß daran habe. Um ehrlich zu sein, bin ich am Liebsten so wie ich mich auch in dem Moment fühle. Keine Schauspielerei, nichts. Aber in manchen Momenten wird man gezwungen sich anders abzugeben. Oder ich zwinge mich dazu. Damit ich eine Situation von mir nicht zu sehr beeinflussen lasse. Weil ich es anderen recht machen will. Als Beispiel: Ich gehe in ein Restaurant und esse etwas, was mir nicht schmeckt. Statt auf die Frage ob es mir geschmeckt hat zu antworten, dass die Pizza aufgrund der Körner des Heizofens nicht geschmeckt hat, bewahre ich die nette italienische familiäre Atmosphäre und sage nichts. Es ist mir unangenehm. Oder ich esse den Teller leer, damit die Person nicht enttäuscht ist, dass es mir (womöglich) nicht geschmeckt hat. Und das gilt für so vieles. Ich gebe vor das etwas gut war, um damit die Situation für die andere Person nicht zu versauen. Ich verzichte auf meine Äußerung dazu. Ich traue mich nicht nach Dingen zu fragen, die mir zustehen. Weil es mir z. B. unangenehm ist und ich dann selber lieber für mich eine Lösung finde. Wenn ich schlechte Laune hatte, dann habe ich es anderen zuliebe überspielt. Damit sie nicht denken dass es an ihnen liegt. Weil es ja immer heißt, dass man seine Gefühle nicht auf andere übertragen soll. Schließlich ist das rücksichtslos. Also hatte man mich gezwungen in dem Fall unauthentisch zu sein. Es in mich reinzufressen, obwohl ich am Liebsten es lautstark auf einem Berg von mir gebrüllt hätte. Meine Gefühle. Der Schmerz. Die Trauer.

Stattdessen habe ich gelächelt und mich dafür noch viel mehr gehasst. Schließlich hasse ich es nicht echt zu sein. Ich hasse es dazu gezwungen zu werden, anders sein zu müssen. Es gibt so viele Situationen denen man sich gar nicht bewusst wird, dass man gerade unauthentisch ist. Fällt dir eine Situation in deinem Leben ein? Oder gibt es vielleicht ähnliche Situationen?

Sich selber authentisch zu verhalten ist sehr wichtig. Denn wenn du das nicht kannst, dann kannst du anderen auch nicht das Gefühl geben dass sie authentisch bei dir sein können. Wenn du „Nein“ sagst, dann gibst du anderen den Freiraum auch „Nein“ sagen zu können. Ohne ein schlechtes Gewissen dafür zu bekommen. Wenn du sagst was du willst und was du gerade empfindest, dann verbesserst du die Situation. Du bist dann nicht unhöflich sondern authentisch. Du machst deinen Mund auf für das was du möchtest. Und letzteres: Wenn du nicht authentisch dir und deinen wichtigen Mitmenschen gegenüber sein kannst. Wenn du deine Gedanken begraben musst, damit du keine negative Atmosphäre für die andere Person schaffst bzw. überträgst, bist du nicht frei.

Weder frei noch authentisch.

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6 comments

Melissa 24. September 2017 at 22:30

Du regst mich zum Nachdenken an. Danke dafür 🙂

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Larissa 24. September 2017 at 22:33

Freut mich sehr 🙂

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Anna 25. September 2017 at 12:12

So schöne Bilder. Liebst, Anna

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Lina 29. September 2017 at 12:11

So schön <3

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Biene 23. November 2017 at 14:23

Ich denke, authentisch sein und gesellschaftlich kompatibel sind sehr oft zwei unterschiedliche Dinge. Vielleicht ist es einfach so, dass es nicht nur 1 Ich gibt, sondern mehrere. Da gibt das das Ich, dass ich bin, wenn ich mit Freunden unterwegs bin. Das Ich auf der Arbeit, das Ich in der Liebesbeziehung…dass die sich gegenseitig ausschließen oder gar unecht sind, glaube ich dabei nicht. Weil das Ich sich eben auch dadurch definiert, was um einen herum passiert und mit wem man interagiert.

LG Biene
http://lettersandbeads,de

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Larissa 23. November 2017 at 17:45

Sehe ich ganz genauso. Lieben Dank für deinen Kommentar 🙂
Liebe Grüße
Larissa

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